Projekt­beschreibung

 
 
Wie auch in anderen Branchen schreitet die Digitalisierung von Produktionsprozessen, langsam aber stetig, auch im Bauwesen voran. Hier wird im Allgemeinen von Building Information Modeling (BIM) gesprochen. Im Wesentlichen geht es dabei darum, alle Planungs- und Beschaffungs- bzw. Umsetzungsprozesse über ein digitales Gebäudemodell abzuwickeln. Die Fachwelt ist sich einig, dass diese Methode die bisherigen Prozesse in der Bauwirtschaft stark verändern bzw. revolutionieren wird. Wesentlich dabei ist der integrale Ansatz, welcher für zeitgemäße Bauwerke, die im Sinne nachhaltiger und lebenszyklusorientierter Anforderungen konzipiert werden, unabdingbar ist. Zwar wird BIM derzeit vorwiegend im Planungs- und Beschaffungsprozess verwendet und nur eingeschränkt im Bauprozess, so bieten sich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt unabsehbare Möglichkeiten auch bei der Anwendung auf der Baustelle. Dies vor allem in Hinsicht auf eine effizientere Gestaltung von logistischen Prozessen oder auch einer lückenlosen, bauteilbasierten Dokumentation der Baustelle.

In Österreich wird BIM bereits von einigen Unternehmen sowohl planungs- als auch ausführungsseitig angewandt. Eine nahezu flächendeckende Verbreitung, wie in den skandinavischen Ländern und in Großbritannien ist jedoch nicht vorhanden. In Deutschland hingegen wurde am 15.12.2015 ein „Stufenplan des BMVI zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens“ durch Minister Dobrindt vorgestellt. Von diesem ausgehend, sind bei unserem nördlichen Nachbarn weitere Impulse in Richtung Digitalisierung der Wertschöpfungskette Bau zu erwarten.

Das geplante Forschungsvorhaben freeBIM 2 soll auf den Ergebnissen des bereits abgeschlossenen Kooperationsprojekt freeBIM-Tirol aufsetzen. In diesem wurde ein „Merkmalserver“ konzipiert und umgesetzt, welcher bis dato auch international einzigartig ist. Dieser dient dazu eine gemeinsame Sprache für die Beschreibung von Bauteilen zu gewährleisten, so dass diese eindeutig und unverwechselbar beschrieben werden können.



Die Bedeutung dieses Servers liegt vor allem in seiner Funktion als Wegbereiter für einen großflächigen Einsatz von BIM vor allem auch in Tirol. Das Konzept des Merkmalservers hat auch in die ÖNORM A-6241-2 Digitale Bauwerksdokumentation - Building Information Modeling (BIM) - Level 3-iBIM Eingang gefunden bzw. ist Teil davon. Darüber hinaus wird dieses Konzept bereits in der Planung zur neuen BIM – CEN Norm (CEN TC 442) in Form einer Arbeitsgruppe berücksichtigt.

Hier soll nun das Forschungsvorhaben freeBIM 2 ansetzen, auf den Ergebnissen von freeBIM-Tirol aufbauen und eine intuitive Anwendbarkeit für eine breite Mehrheit von Planern gewährleisten. Das Projekt freeBIM2 soll in 2 Hauptarbeitspakete gegliedert werden, damit detaillierter auf die jeweiligen Themengebiete bzw. Zielgruppen eingegangen werden kann:

  • WP1: freeBIM für die Planung

  • WB2: freeBIM für AVA

WP1:

freeBIM für die Planung

Während bei Bauunternehmen die neue Technologie auf größeres Interesse stößt, haben Planer und Architekten in dieser Hinsicht noch größere Vorbehalte. Um diesen den Einstieg in die digitalisierte Planung zu erleichtern, sollen die Bauteil- und Materialparameter in Form von Bibliotheken oder Bauteilgeneratoren bereitgestellt werden, so dass eine direkte Anwendbarkeit gegeben ist.

Aus diesem Grund hat sich das Konsortium die Förderung der Anwendung von BIM vor allem in Planungsunternehmen für die wichtigsten Gewerke, insbesondere der Haustechnik aber auch der KMU-Gewerke im Ausbau zum Ziel gesetzt. Dies soll über die Bereitstellung eines Bauteilservers unter Miteinbeziehung von Herstellerdaten von Bauprodukten und Bauelementen erfolgen. Aufbauend auf dem freeBIM-Merkmalserver sollen Bauteile verfügbar sein, welche bereits alle erforderlichen Parameter gemäß freeBIM / buildingSmartDataDictionary bzw. ÖNORM enthalten und so direkt anwendbar sind, ohne dass der Anwender sich damit beschäftigen muss. Damit wird eine erleichterte und intuitive Nutzung der Parameterdaten ermöglicht und es können in weiterer Folge alle Vorteile, wie beispielsweise die produktunabhängige Auswertbarkeit der Daten für AVA-Programme oder die Bereitstellung von Bauteilinformationen über den gesamten Lebenszyklus, vollumfänglich genutzt werden.

WP2:

freeBIM für AVA

Das digitale Gebäudemodell wird derzeit in Ausschreibung, Beschaffung und in der Umsetzung nicht in jenem Maße genutzt, in dem Potenzial vorhanden wäre. Das heißt, bereits im Modell vorhandene Informationen werden nicht weiterverarbeitet, sondern anstatt dessen neu generiert. Dies bedeutet neben einer Redundanz der Prozesse auch eine erhebliche Minderung der Informationsqualität. Insbesondere die Procurementphase kann durch eine dynamische Schnittstelle zu den Modelldaten für AVA-Programme in der Leistungsbeschreibung wesentlich effizienter und ohne Informationsverlust unterstützt werden. Damit sind auf keinen Fall nur geometrische Daten gemeint, welche von den AVA-Programmen bereits unterstützt werden, sondern auch insbesondere alphanumerische Informationen zu Qualitäten, Baustoffen, etc.

Ziel im WP2 ist die Förderung der Anwendung von BIM im Abwicklungsprozess von Bauprojekten mit einer Fokussierung auf die Teilprozesse Ausschreibung, Kalkulation (Bereitstellung der Eingangsdaten direkt aus dem Modell, Kostenschätzung in frühen Projektphasen) und konzeptionell für die Bestellung und Abrechnung. Ein weiterer Nebenaspekt dabei ist die Bereitstellung der Bauteildaten für bauphysikalische Berechnungen. Ausgehend von den Erkenntnissen aus dem Projekt freeBIM-Tirol bzw. aufbauend auf dem Merkmalserver freeBIM-Tirol soll die Möglichkeit der direkten Generierung von Leistungsverzeichnissen nach LBH dynamisch aus digitalen Gebäudemodellen geschaffen werden. Auch eine Übernahme der Daten in Kalkulationsprogramme soll konzipiert werden.